Röstöfen

Der Bergbau und die Eisenverhüttung haben Bendorf und sein unmittelbares Umfeld geprägt und die industrielle Entwicklung dort mitbestimmt. Bedeutende Zeugen der Hüttenindustrie sind die Sayner Hütte (1824) und die Concordiahütte in Mülhofen (1838), die vielen Menschen einen Arbeitsplatz gaben und wirtschaftliche und soziologische Veränderungen herbeiführten. Zeugen des längst vergangenen Bergbaus in Bendorf sind Röstöfendie gut erhaltenen Röstöfen der Grube Vierwinden unterhalb des Hotels "Rheinblick" auf der Vierwindenhöhe, deren Renovierung vor einigen Jahren abgeschlossen wurde. In den Sommermonaten werden in der historischen Kulisse Theaterstücke aufgeführt.

Ihr Bekanntheitsgrad hat den der Hütten bei weitem noch nicht erreicht, doch wächst zunehmend in der Öffentlichkeit das Interesse an diesem Industriedenkmal, um dessen Erhaltung sich seit vielen Jahren die Denkmalpflege und die zuständigen Behörden bemühen. Zweck des Röstens war die Vorbereitung des Erzes auf die Verhüttung. Als Rösten bezeichnet man allgemein eine Warmbehandlung des Erzes, die auf den Aggregatzustand keinen Einfluss nimmt.

Beim Rösten wird das Erz auf eine Temperatur erwärmt, die unter dem Schmelzpunkt liegt, um physikalische und chemische Verbindungen herbeizuführen, die für den Verhüttungsprozess notwendig sind. Spateisenstein enthält Kohlensäure, die bei der Röstung ausgetrieben wird. Dadurch enthält das Erz mehr Sauerstoff, der bewirkt, dass die Gase im Hochofen die Erze besser schmelzen. Also ohne die Röstöfen kein Eisen aus der Sayner Hütte! Die Röstöfen traten früher dem Besucher nicht sofort ins Auge sondern lagen Jahrzehnte versteckt hinter Bäumen und Büschen im Hang der Vierwindenhöhe. Jetzt, nach den Renovierungsarbeiten, hat man von dem Hotel Schützenhöhe aus einen freien Blick auf die Röstöfen. Diese sind sowohl von dort als auch von der Remystrasse aus begehbar. Schautafeln und Hinweisschilder wurden angebracht, die den Besucher mit dieser historischen Stätte vertraut machen. Vier der ursprünglich sechs aus massivem Bruchstein errichteten Röstöfen sind in ihrem U-förmigen Grundriss wiederaufgebaut worden.

 

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Ein Schienennetz verband Fördertum und Röstöfen miteinander und ermöglichte das Beschicken der Öfen direkt aus der Lore. Beim Rösten sank das Röstgut nach unten und wurde mit Stangen in Loren gezogen, die unterhalb den Korbbogenöffnungen standen. Zwei der Röstöfen hatten Rampen, über die das Röstgut in die Loren rutschte. Über Schienen wurden die Loren zur Verladestelle gefahren und in die Hütten gebracht. Das Rösten ist ein wichtiger Arbeitsschritt in der Aufbereitung des Eisenerzes. Bevor der abgebaute Eisenstein überhaupt in der Hütte schmelzbar ist, muss er auf der Grube aufbereitet werden. Folgende Verfahren wurden angewendet: Nach der Entfernung des tauben Gesteins und der Zerkleinerung des Erzes folgen die Erzwäsche und das Rösten.

Die Erzwäsche reinigt das Erz von Ton und Sand, das Rösten befreit es von Schwefel und reichert es mit Sauerstoff an. Dadurch erhöht sich seine Reduktions- fähigkeit, und die Gase im Hochofen können das Erz besser schmelzen. Geröstetes Erz ist aufgelockert, glanzlos und etwa 30 % leichter als abgebautes Erz.

Auf der Grube Vierwindenhöhe wurde der Spateisenstein abgebaut, der wegen seines hohen Kohlenstoffgehalts vor der Verhüttung geröstet werden musste. 1724 erschloss der Hüttenbesitzer Arnold Bertram zusammen mit zwei weiteren Mitgewerken die Grube Vierwinden. Ihr Name leitete sich ab von einem handgetriebenen Aufzug - den Winden -, der die Erze an die Oberfläche beförderte.

Entscheidend für die Entwicklung der Grube war ihr Verkauf 1728 an Wilhelm Remy, der bereits eine kleine Hütte in Bendorf gekauft hatte. Remy trieb die Förderung der Erze und ihre Verhüttung stark voran und schuf gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches und einflussreiches Familienunternehmen. Über 100 Jahre bestimmten die Remys die wirtschaftliche Entwicklung in Bendorf mit. Als aber 1815 die Preußen ins Rheinland einzogen und die Aufsicht über die Gruben und Hütten übernahmen, bröckelte ihr Einfluss, bis sie 1895 ihr Unternehmen gänzlich auflösten. Mit den Preußen kam die grosse Zeit der Sayner Hütte, der Einzug neuer Techniken und der Kunstguss.

Den zweiten Aufschwung nahm die Grube unter dem Essener Industriellen Alfred Krupp. Er kaufte unter anderem 1865 die Sayner Hütte und 1875 die Grube Vierwinden. Er ließ die Grube erweitern, neue Schächte abteufen, ein Grubenhaus mit Förderturm und Fördermaschine und die Röstöfen errichten. Im ersten Halbjahr 1878 ließ Krupp zwei massive Röstöfen aus Bruchstein mit einem feuerfesten Futter bauen. Die Erfahrungen mit solchen steinernen Röstöfen war gut, denn bereits in den Sommermonaten 1878 begannen an der Schachthalde die Bauarbeiten für zwei weitere massive Röstöfen, die im Februar 1879 in Betrieb genommen wurden.

Bis zur Fertigstellung dieser Öfen wurde in freistehenden sog. Henschelkesseln auf der unteren Schachthalde geröstet, die Krupp von der Grube Gute Hoffnung übernommen hatte. Bereits nach zwei Monaten Anlaufphase reduzierte sich der Verbrauch des Brennmaterials gegenüber den Henschelkesseln um die Hälfte.
Die positiven Erfahrungen im Umgang mit den Röstöfen bestätigten sich auch in den nächsten Jahren. 1883 kam es schließlich zum Bau von zwei weiteren steinernen Röstöfen.

Damit standen unterhalb der Schachthalde insgesamt sechs Röstöfen, zwei mit rundem und vier mit quadratischem Querschnitt.Die runden trichterförmigen Öfen fassten 17 cbm Inhalt. Der Geschäftsbericht des Jahres 1883/84 liest sich wie folgt:
"In die Röstöfen wurden aufgegeben; 31.674.000 kg Roherz und daraus erzielt 23.902.000 kg Rösterz. Es ergibt sich mithin ein Röstverlust von 24,54 % gegen 24,66 % im Vorjahr oder 0,12 % weniger. Ein Ofen liefert in 24 Stunden11.458 kg Rösterz. Verbraucht wurde an Brennmaterial zusammen 7.342.000 kg = 3,07 % oder pro 1000 kg Roherz 23,18 kg. Bei einem Preis von 12,870 M pro 1000 kg fallen daher auf 1000 kg Roherz 28,25 Pfg. pro 1000 kg Rösterz, 37,7 Pfg. Kohlenkosten."

Die Ertragszahlen blieben nicht immer erfolgreich. Krupp zog die Konsequenzen und stellte 1915 den Betrieb ein. Durch diese Entscheidung endete der Bergbau in Bendorf und damit der traditionelle Beruf des Bergmannes. Die Röstöfen erloschen und wurden zum Opfer des Verfalls. Nach erfolgreicher Restaurierung wurden die Röstöfen in einer Feierstunde am 28. August 1998 von Bürgermeister Stuhlträger der Öffentlichkeit übergeben. Bendorf ist damit um eine weitere Touristenattraktion reicher.



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